Reproduktives und nichtreproduktives Klonen bei Homo sapiens. Ethische Aspekte

Christoph Rehmann-Sutter

1. Lebewesen im technischen und im ethischen Aspekt

Wir Menschen sind Lebewesen. Dies bleibt in gewissen Hinsichten immer klar. Dennoch unterscheiden sich diese Hinsichten, in denen wir uns selbst für Lebewesen halten und uns damit zum Bereich des biologisch Beschreibbaren zählen, oder aus ihm durch spezifische Differenzen gerade herausheben, zwischen verschiedenen historischen Situationen beträchtlich. Gegenwärtig wird deutlich, dass wir wie andere Lebewesen (vor allem auch wie die Schafe) aus Zellen bestehen. Diese Zellen mögen ja ganz besonders sein, einzigartig und so spezifisch menschlich, wie man nur will, die Überlegenheit über die Natur wird doch kaum so weit reichen, dass es unmöglich wäre, aus menschlichen Zellkernen und menschlichen Eizellen, denen vorher der Eizell-Kern entfernt wurde, menschliche Embryonen herzustellen, die unter günstigen Bedingungen wachsen, sich entwickeln zu normalen Feten, wie andere Menschenkinder geboren werden und sich äusserlich auch in keinem Punkt merklich aus dem herausheben, was bei Menschen an Erscheinungsformen üblich ist. Unterscheiden sie sich innerlich? Ist ihre Natur deswegen keine menschliche, weil sie anstatt aus der Verschmelzung von Ei und Spermium, aus einer Verschmelzung von Ei und Körperzelle entstanden ist? (Spermien sind ja doch auch – im weiteren Sinn, mindestens im Sinn von Derivaten – noch Zellen des Körpers.) Ist das Produkt kein Mensch, weil die Verschmelzung der technischen Induktion bedurfte, die Verschmelzung von Ei und Spermium aber nur des Beischlafs (oder der Pipette im Fall der in vitro Befruchtung)? Wenn die in vitro Befruchtung medizinisch-ethisch akzeptabel scheint, weshalb sollte dann das Klonen durch Kerntransfer dem Bannstrahl der Bioethik unterworfen werden? Was macht die Pipette im einen Fall so verschieden von der Pipette im anderen?

Unser menschliches Lebewesensein wird im Zusammenhang der Frage des Klonens insofern relevant, als sich die zellbiologischen Manipulationstechniken, die z.B. bei Fröschen und Schafen geübt werden, prinzipiell eben auch bei Menschen anwenden lassen. Der technische Zugriff auf die nichtmenschliche Natur ist auf die Natur des Menschen selbst übertragbar. Das ist eben so. Man kann dem nicht ausweichen. Denn biologisch unterscheiden sich menschliche Zellen von denen anderer Vertebraten nur geringfügig. Die technologische Beherrschbarkeit der Reproduktion anderer Lebewesen ist nicht zu haben ohne gleichzeitig die Reproduktion menschlicher Wesen in den Herrschaftsbereich hineinzuholen. Es ist noch gar keine ethische Frage (eigentlich ist es nicht mal eine Frage überhaupt), ob sich "die Macht des Menschen", die er in der aussermenschlichen Natur entfaltet, nun auch auf ihn selbst in seiner Körperlichkeit und Gewachsenheit zurückbeziehen solle. Diese Macht ist (als Möglichkeit) sogleich da, sobald sie bei anderen Säugetieren entwickelt wurde. Die ethische Frage ist nur, ob sie sich in Handlungen umsetzen soll, unter welchen Umständen allenfalls und wie die damit eröffneten Handlungsmöglichkeiten überhaupt moralisch zu bewerten sind, d.h. welche moralischen Qualitäten sie aufweisen und was alles bei ihnen auf dem Spiel steht. Ein zentraler, in den Auswirkungen kaum zu unterschätzender Schritt darin ist die Wahrnehmung und Interpretation dieser Handlungsmöglichkeiten: Was ist es eigentlich, dieses Klonen, was gut oder böse sein soll? Wie ist der Gegenstand, diese Praxis, worüber in der ethischen und politischen Klonierungsdebatte verhandelt wird, eigentlich zu verstehen?

2. Die menschliche Identität im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit

Walter Benjamin hat einen berühmten Essay geschrieben über die neuen Bedingungen der Kunst, die dann anfangen, wenn Kunstwerke technisch reproduzierbar werden ("Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit", zum ersten Mal publiziert 1936). Mit der Photographie und dem Film habe sich die Bedeutung und die Wahrnehmung der Kunst durch die Massen drastisch verändert, wenn man sie zum Beispiel mit der Malerei vergleiche, wo man immer nur ein Original hat. Welche Kopie eines Kinofilmes ist das Original? Man kann es nicht sagen. Alle sind Originale – oder besser: keine. Mit der technischen Reproduktion eines Kunstwerks verschwindet dessen Originalität. Die "Aura", die Benjamin dem Original, aber nicht der Kopie zuschrieb, verschwindet und wird ersetzt durch eine spezielle "Flüchtigkeit und Wiederholbarkeit" des Kunstwerks. Die Rolle und die Identität der Kunst verändert sich.

60 Jahre später schreibt die Wissenschaftsgeschichte die Geschichte der technischen Reproduzierbarkeit von menschlichen Wesen. Klonen bedeutet Reproduktion von Menschen. Dies ist jedenfalls die Vorlage einer sowohl wissenschaftlichen wie auch volkstümlichen Wahrnehmung von Klonierungstechniken. Beispiele sind nicht schwer zu finden; folgende zeigen deutlich die Signatur der gegenwärtigen öffentlichen Kontroverse:

1. New York Times vom 28. Januar 1998 (S. A 27; es ist die Illustration von M. K. Mabry zu einem Artikel des Bioethikers Arthur Caplan, s. Fig. 1)

Hier wird die Klonierung von Menschen als Vervielfältigung eines Typs karikiert. Die Firma ACME Cloning Inc. preist sich an als "America's Favorite Cloners" in einem Schriftzug, dessen Graphik an das Werbedesign der 50er Jahre erinnert. Die Klonierungsmaschine steht im Leerlauf; eingerichtet ist sie augenblicklich auf die Herstellung einer Serie von Uncle Bob. Das Schild zeigt dies an; man zeigt stolz auf das Produkt. Uncle Bob, einst ein einziges Original, wird zum Subjekt einer unendlichen Multiplikation. Wie die Millionen von Plastiklöffeln, die aus einer Maschine herausfallen, werden Millionen von Uncle Bobs vom Förderband springen. Die Hand am Schalthebel links oben zeigt an, welche Handlung Thema der Ethik sein soll: die Steuerung der Maschinerie. Es kommt darauf an, ob sie in Bewegung gesetzt werden soll, mit welchem Tempo sie laufen soll, ob sie in Bereitschaftsstellung bleiben oder aber ausgeschaltet werden soll. Die Position der menschlichen Hand am Steuerungssystem der Klonierungsmaschine zeigt eine Lokalisierung des moralischen Interesses an. Es interessiert nicht so sehr, wen man klonen soll und zu welchen Zwecken. Dies scheint sich schon einrichten zu lassen, gemäss den Bedürfnissen, nach den Spielregeln des Marktes. Es interessiert überhaupt nicht, ob diese Darstellung der Klonierung als Vervielfältigungstechnologie menschlicher Individuen – welche notgedrungen zur Aufhebung ihrer Individualität zu führen scheint – eine zutreffende Beschreibung/Deutung der Klonierung ist. Im Zentrum des Interesses steht die gesetzliche Kontrolle der bereits interpretierten Technik: das Verbot oder die Erlaubnis.

2. Judy Lane's Kolumne "Future mom: No Xerox babies" (im San Francisco Examiner vom 3. Dezember 1997) tauft das imaginäre Kind, das nach einer Klonierung geboren würde "Xerox baby". Mit der Metapher eines Photokopiergeräts wird Klonen als eine Prozedur der möglichst gleichen Reproduktion beschrieben. Sie überlegt sich darin, wer zur Multiplikation in Frage kommen könnte. Mutter Teresa? Diese Idee tönt gut, nur, Menschen wie Mutter Teresa wären wahrscheinlich zu bescheiden um eine solche Unternehmung nur schon zu erwägen. Es wäre wohl umgekehrt: "The first to line up for the privilege would be those we could do without." – Die damals schwangere Judy Lane würde einer Replikation ihrer selbst mit Schrecken entgegensehen. "I'd like to think that when I was made, they broke the mold." – "The beauty of having a child is mixing up your gene with another's, hoping to blend a little bit of this with a little bit of that. While some of my better traits may be toned down, my faults will be somewhat diluted. I think, anyway."

3. Am 8. September 1998 druckt die Basler Zeitung den kurzen Bericht von Associated Press, worin Richard Seed erklärt, er werde sich selber klonen. Sie illustriert den Artikel mit einer Reihe von identischen Fotografien des Wissenschaftlers (Fig. 2). Ist es Ironie des Schicksals, dass Seed nichts weiter tun will, als gemäss seinem eigenen Namen handeln? Er will ein Samen seiner selbst sein.

4. Sogar bioethische Bücher sind dekoriert mit den Bildern menschlicher Kopien. Ein Plädoyer für das Klonen von Gregory Pence unter dem Titel "Who's Afraid of Human Cloning?" erschien in Lanham bei Rowman & Littlefield 1998 (Fig. 3). Das Buch setzt sich im Innern natürlich mit den Vorurteilen über die Natur des Klonens kritisch auseinander. Pence behandelt sehr differenziert die verschiedenen Vorurteile, die in der Science Fiction entstanden sind. Eines davon ist die Unsichtbarmachung der Frauen als Mütter. Film- und Roman-Klone reifen gewöhnlich in künstlichen Gebärmüttern, oft in atemberaubendem Tempo. Wirkliche Klone wären aber Kinder von wirklichen Müttern, nach einer völlig normalen Schwangerschaft. Sie wären keine Kopien von lebenden Menschen, sondern eigenständige Personen mit einem individuellen moralischen Anspruch auf Anerkennung und Gleichbehandlung (p. 45f). Es ist nicht möglich, sich selbst zu kopieren. Selbst wenn ein exzentrischer, reicher Mann irgendwo auf dieser Welt eine Frau finden würde, die ihm gegen Bezahlung ein kloniertes Kind austrägt, und "[e]ven if he adopted the child, he would need to wait many years, perhaps twenty, to see how closely the child resembled him. Since many rich men only get such fanatical ideas late in life as they see the death coming, it is unlikely that he would ever know if his experiment was successful." (p. 51) – Der Buchumschlag hat die Funktion, zwischen den Erwartungen des Publikums und den im Buch behandelten Thesen zu vermitteln. Die benützte Symbolik der Spiegelbild-Menschen ist daher aufschlussreich dafür, welches Verständnis der Verlag beim Publikum vermutete.

5. Ein kritischer Artikel von Doris Weber im deutschen Publik-Forum Nr. 1/1999 beschreibt die Problematik der Klonierung dichterisch. Er ist illustriert mit dem obligatorischen Bild der Wiederholung, aber doch in zwei Varianten: eine Serie von Wiederholungen eines künstlichen menschlichen Gesichts, es könnte eine Puppe oder eine Maske sein, und die Repetition zweier identischer echter Gesichter, die einander in die Augen schauen (Fig. 4). Das Gedicht des Klons lautet:

Sie hätten es nicht sagen sollen,
nicht mir,
ich
will es nicht wissen
Sie haben gesagt:
du bist der Zweite
Nicht ich ich
sondern
ich nach dem ersten Ich

ich bin Du
und
bist Du ich?
Aber
ich bin nicht du
und
Ich bin nicht ich

Die Poetin stellt hier eindrücklich und beängstigend die Identitätskrise eines Klons dar, die entsteht, nachdem sie/er erfährt, dass sie/er ein Klon eines anderen ist: Die Ich-Identität würde zerfallen, weil es zwei indentische Ich- Identitäten gibt.

Die öffentliche moralische Diskussion über Klonen hat die Aufgabe, die unbekannte Technik, die zunächst ein reines Rätsel, eine blosse Leerstelle darstellt, in einen verständlichen Text einzufügen. Sie muss dem Klonen eine verstehbare Struktur geben. Kopieren, Massenproduktion von identischen Kopien, welche die Identität eines einzelnen Mitglieds der Serie auflöst, dies sind die Muster, mit welchen die Verständnislücke gefüllt, oder immerhin abgedeckt wird. Die Diskussion erfüllt ihre Aufgabe, aus dem "Klonen" schon in seiner imaginären Vorstufe ein zugängliches Objekt der Auseinandersetzung und der Kontrolle durch ethische Normen zu machen. Die Ethik kann keine Regeln für die biomedizinische Praxis finden, ohne verständliche Chiffren zu haben, die das Feld strukturieren und ordnen, wo die Regeln Geltung haben sollen.

Einen Ruf nach Regeln gab es in der Gesellschaft von Anfang an, nachdem Ian Wilmut und Mitarbeiter ihre erfolgreiche Produktion des Schafes "Dolly" mit Hilfe einer Technik, die sich nukleare Transplantation nennt, bekannt gemacht haben (1). US Präsident Bill Clinton hat unmittelbar nach Wilmuts Publikation die Verwendung öffentlicher Gelder zur menschlichen Klonforschung verboten (2) und einen Beratungsausschuss damit beauftragt, ethische Grenzen zu setzen für die Anwendung des Klonens bei Menschen. Die National Bioethics Advisory Commission (NBAC) hatte 90 Tage Zeit für eine Stellungnahme.

Sie kam zu folgendem Schluss: "The commission concludes that at this time it is morally unacceptable for anyone in the public or private sector, whether in a research or clinical setting, to attempt to create a child using somatic cell nuclear transfer cloning. We have reached a consensus on this point because current scientific information indicates that this technique is not safe to use in humans at this time. (…) Moreover, in addition to safety concerns, many other serious ethical concerns have been identified, which require much more widespread and careful public deliberation before this technology may be used." (3) Schon vor der Veröffentlichung dieser Stellungnahme wurden im US-Kongress Diskussionen geführt über zwei vom republikanischen Abgeordneten Vernon Ehlers (Michigan) eingebrachte Gesetzesvorlagen, die das Klonen von Menschen permanent verbieten würden. Der Direktor der National Institutes of Health (NIH) Harold E. Varmus wurde eingeladen und brachte Argumente gegen ein Totalverbot vor (4). Die bioethischen Debatten sind seither ganz auf die Frage ausgerichtet, ob man Klonen verbieten oder erlauben soll, und wenn erlauben, dann unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Einschränkungen.

Die in der öffentlichen Wahrnehmung verwendeten Muster können dazu eine direkte Erklärung geben. Die menschliche Identität schien bedroht zu sein. Die Leute sahen, dass das gleiche, das Benjamin für die Kunst beschrieben hat, passieren könnte: Die Rolle und Identität eines Kunstwerks verändert sich, wenn es technisch reproduzierbar wird. Die Aura der Originalität wird ersetzt duch eine Flüchtigkeit und Wiederholbarkeit. Die Idee des Klonens, verstanden als Kopieren von Individuen, ist ein moralischer Skandal, weil es das Selbst von der moralischen Verantwortung löst, das einzigartige und daher verantwortliche moralische Selbst, welches das Thema der Ethik ist. Wenn das Selbst kopiert wird, können Personen für ihre Handlungen nicht mehr verantwortlich gemacht werden, weil diese auch immer von einem anderen Exemplar der Serie ausgeführt werden könnten, vom Du welches das Selbe ist wie das Ich. Die Ethik musste schon die Idee des Klonens aus dem einfachen Grund missbilligen, weil sie selbst, die Ethik, vernichtet werden könnte.

Ein näherer Blick auf die wissenschaftliche Realität des Klonens und seine vorausschauenden Umstände zeigt schnell, dass Klonen in dieser allgemeinen Vorstellungswelt und in mit den Wahrnehmungsmustern ‚Kopieren' oder ‚Massenproduktion von Menschen in Serie' vollkommen falsch repräsentiert ist. Ich werde darauf später eingehen. Abgesehen davon, finde ich es aber sehr wichtig für bioethische Diskussionen, die populäre Auseinandersetzung mit den darin benützten Vorstellungen und Wahrnehmungsmustern ernstzunehmen. Wir sollten versuchen zu verstehen, warum diese Bilder benutzt werden und nicht vielmehr andere, warum dieses Wahrnehmungsmuster aktiv ist und nicht ein anderes, welches vielleicht tatsächlich besser in die ‚wissenschaftliche Sicht' vom Klonen passen würde. Ethik ist meiner Ansicht nach eine kritische Reflexion von moralischen Beurteilungen und Regeln. Daher sollte die Ethik auch an einer gerechten und nicht hochmütigen Interpretation dessen arbeiten, was sie kritisch betrachtet, nämlich des moralischen Diskurses.

3. Ein technischer Überblick

Zur Terminologie: Ein "Klon" ist nach dem Hutchinson Concise Dictionary of Science (5) "an exact replica". Etwas zu "klonen" würde demnach bedeuten, eine exakte Kopie von ihm anzufertigen. In der Genetik bedeutet Klonen: das Herstellen genetisch identischer Kopien einer Einheit.

Diese "Einheit" kann verschiedenes sein: Gene (gedacht als DNA-Abschnitte), Zellen, Gewebe, Organismen. In allen Fällen bedeutet das Klonen die ‚genetisch identische Vervielfältigung' in dem bestimmten Sinn des Wortes "genetisch", dass die Identität der DNA-Sequenzen des Zellkerns massgeblich ist (6). Man kann nun Klonierungsverfahren nach der in ihnen zum Tragen kommenden Zielsetzung oder Absicht in vier Gruppen einteilen:

(1) Zur Genvervielfältigung; ich spreche hier von Klonen (G). Die Einheit, die reproduziert wird, ist ein bestimmtes Stück eines DNA-Moleküls und in diesem Sinn ein "Gen". Klonen ist dann die Vermehrung von Genen in einer Kolonie von genetisch modifizierten Bakterien. Einem Bakterium wird dabei ein zusätzliches Stückchen DNA eingebaut, z.B. auf einem Plasmid (kleines bakterielles Extra-Chromosom in der Form eines DNA-Ringes). Mit jeder Teilung reproduziert die Bakterienzelle auch das DNA-Zusatzstückchen. So können im Labor Gene "aufbewahrt" werden, um sie später wieder hervorholen zu können. Die Genetiker sprechen von "Genbanken". Es gibt heute Genbanken von den meisten im Labor verwendeten Organismen wie Mäusen, Drosophila-Fliegen oder Menschen.

(2) Im Zusammenhang mit Zellkulturen; ich bezeichne es als Klonen (Z). In der Bakteriologie beispielsweise spricht man auch bei genetisch unveränderten Nachkommenzellen, die aus einer einzigen Mutterzelle durch fortgesetzte Teilung hervorgehen, von einem "Klon". Ein Bakterienklon ist dann nicht nur das reproduzierte Individuum, sondern auch die Kolonie, die aus einem Individuum hervorgeht. Klone können durch Teilung auch aus Zellen höherer Organismen hervorgehen.

(3) Zu Zwecken der Transplantation; hier als Klonen (T) bezeichnet. Die reproduzierte Einheit sind menschliche Gewebe oder menschliche Zellen. Wenn der Klonierungsvorgang von Körperzellen (z.B. Knochenmarkzellen) ihren Ausgang nimmt, handelt es sich um die Herstellung einer vegetativen Seitenlinie eines multizellulären Körpers, ohne dass die Teilungsprodukte jemals wieder selbst eine körperliche Einheit bilden könnten. Wenn der Klonierungsvorgang von Teilen eines menschlichen Embryos (7) ausgeht, der unter anderen Umständen, wenn er nicht zerteilt würde, einen Menschen in körperlicher Einheit ausbilden könnte, spricht man auch vom "nichtreproduktiven Klonen" eines Menschen für Transplantationszwecke.

(4) Für die Reproduktion von Tieren oder Menschen; ich spreche von Klonen (R). In der genetisch assistierten Tierzucht wird das Verfahren des Kerntransfers oder das Verfahren des Embryosplitting verwendet, um die Neuzusammensetzung der Gene bei der natürlichen, sexuellen Fortpflanzung zu umgehen und genetisch identische Nachkommen zu erzeugen, die alle gewünschten Eigenschaften stabil enthalten. Beide Verfahren sind grundsätzlich auch für Menschen anwendbar (vgl. Fig. 5). Die dritte Technik, Kernteilung von befruchteten Eizellen und die Fusion der beiden Vorkerne scheint bei Säugetieren nicht durchführbar zu sein. In allen diesen Fällen ist das Ziel die Erzeugung eines oder mehrerer multizellulärer Organismen, die je als Individuen lebensfähig sind und mit einem anderen Individuum im Bezug auf die DNA ihrer Zellkerne identisch sind.

Klonen (R) ist neben der humanmedizinischen Anwendung für die Zucht von transgenen Nutztieren eine (aus der Perspektive der Gen-Ingenieure) sehr willkommene Gruppe von Verfahren, denn mit ihnen lassen sich Nachkommen eines Individuums in grundsätzlich unbegrenzter Anzahl erzeugen, ohne die bei der sexuellen Fortpflanzung vorkommende Neumischung von Genen in Kauf nehmen zu müssen. Die gewünschten transgenen Eigenschaften können so über viele Generationen erhalten werden. Es ist selbstverständlich, dass sich die verschiedenen Verfahren und Zielsetzungen des Klonens nicht nur in technischer, sondern auch in moralischer Hinsicht unterscheiden. Insbesondere werden in der ethischen Beurteilung von Klonen (T) und Klonen (R) im Bezug auf Menschen je eigene Kriterien angewendet werden müssen, die der Situation, die beurteilt werden soll, gerecht werden.

Drei Bemerkungen zu den Techniken von Klonen (R) und Klonen (T), die mir wichtig scheinen. Erstens: Mit gutem Grund ist die öffentliche Diskussion nach dem "Dolly" Experiment 1997 aufgeschreckt worden, wo doch plötzlich die für menschliche Fortpflanzung neuartige Möglichkeit entstanden ist, dass – wenigstens prinzipiell – eine unendliche Anzahl von genetisch identischen Kindern aus dem Gewebe eines Kindes oder eines Erwachsenen aufgezogen werden können. Allerdings muss eingeschränkt werden, dass die Technik, die heute zur Verfügung steht, bedenkliche Risiken für den Embryo birgt. Ian Wilmut's Gruppe brauchte 1997 277 befruchtete Eizellen und verschmolz sie mit 277 Gewebezellen von ausgewachsenen Tieren, um 29 Embryos zu gewinnen, welche in die Gebärmutter implantiert werden konnten. Nur einer davon überlebte und wurde als Schaf "Dolly" geboren. Einige der Föten, welche gestorben sind, wiesen Deformationen der inneren Organe auf, in anderen Fällen blieb die Todesursache unbekannt. Diese Risiken werden sicher mit der Entwicklung der technischen Fertigkeiten abnehmen. Aber im Moment wäre es nicht akzeptabel, mit dieser Technik Menschen zu klonen, einfach wegen des möglichen Schadens, der den betroffenen Föten und Kindern zugefügt werden könnte.

Nach meinem Urteil wären die biologischen Risiken des Klonens gegenüber den primär Betroffenen, nämlich den Kindern, die produziert würden, alleine schon Grund genug für ein Moratorium, also ein Verbot für eine gewisse Zeit. Solang die Risiken unannehmbar hoch sind, haben wir Zeit, das Thema grundsätzlich zu diskutieren. Wenn wir das jetzt gründlich tun, werden wir dann nicht mit leeren Händen dastehen, wenn einmal die Risiken auf einen scheinbar annehmbaren Stand sinken werden, sagen wir, einen Risikostand, der vergleichbar ist mit anderen, breit akzeptierten Technologien der Reproduktionsmedizin wie In-vitro-Fertilisation oder Amniocentese.

Die zweite Bemerkung ist gerichtet auf die Beschreibung von Klonen als einem Kopierprozess, welche im Mittelpunkt des wissenschaftlichen und öffentlichen Aufruhrs gegen das Klonen liegt. Offensichtlich wird die Zelltransfertechnologie nicht zu identischen Kopien von Individuen führen wie Uncle Bobs oder Richard Seeds. Die Klone werden (i) viel jünger sein als ihre Zellspender, (ii) die Klone werden eigene Individuen sein, die nicht austauschbar Ich und Du sagen werden, wie dies auch eineiige Zwillinge tun. Die persönliche Identität ist nicht mit der genetischen Identität verbunden. Die folgende Ungleichung ist eine Erfahrungstatsache:

persönliche Identität = genetische Identität

Sonst müsste ein eineiiger Zwilling in einer persönlichen Einheit mit seinem oder ihrem Geschwister leben, was aber nicht der Fall ist. Die beiden Identitätsbegriffe unterscheiden sich kategorisch und lassen sich empirisch nicht verknüpfen. (iii) Die Gene allein begründen nicht den Organismus in seiner Vollständigkeit. Die moderne Entwicklungsgenetik erzählt uns die komplizierte und absolut faszinierende Geschichte, wie die Kommunikation von Zelle zu Zelle das Aktivitätsmuster der Gene begründet und wie die Gene selber in mannigfaltiger Weise mit Elementen und Prozessen in ihrem dreidimensional strukturierten Zellgewebe aufeinander wirken. Die Entwicklung kann nicht verstanden werden als die Ausführung von Anweisungen eines genetischen Programms, welches in der Basenabfolge niedergeschrieben ist. Dieses vereinfachende Bild diente zwar zur Konstruktion eines Weltbildes in der Geschichte der Genetik in unserem Jahrhundert, aber dieses Bild ist uneins mit den Erkenntnissen der Entwicklungsgenetiker, die mit der Fliege Drosophila melanogaster oder dem Wurm Caenorhabditis elegans arbeiten. Deshalb haben wir eine zweite Ungleichung:

biologische Identität = genetische Identität

Und die Konsequenz daraus ist, dass wir trotz genetischer Identität Unterschiede in der biologischen Identität erwarten müssen, d.h. Unterschiede in den organischen Eigenschaften und Charakteristika zwischen Zellspender und dem Klon. Sie rühren vom Austausch von Zellmembranen des Cytoskeletts und anderer Bestandteile des Cytoplasmas her.

Drittens: Im November 1998 hat eine Gruppe um James Thomson erfolgreich Zellstammlinien aus menschlichen Blastocysten (Embryonalstadium zur Zeit der Einnistung in die Gebärmutter, das bereits Differenzierungsschritte hinter sich hat – nicht zu verwechseln mit der "Blastula" von Seeigeln, vgl. Fig. 6) kultiviert. Mit dieser neuen Technologie ist eine komplett neue Perspektive realistisch geworden, namentlich die Möglichkeit, Gewebe oder sogar einfache Organe für Transplantationszwecke zu züchten (8). Kombiniert mit Zelltransfer könnten wir so einen genetisch identischen Embryo von uns selbst herstellen, ihn im Stadium der Blastocyste in Zellkulturen aufteilen und daraus für den Fall, dass sich unser eigenes Gewebe abnützt, Ersatzgewebe züchten (Fig. 7).

Das hätte man sich ungefähr so vorzustellen: Aus Körperzellen eines menschlichen Individuums wird eine Kultur angelegt. Diese Kultur wird durch geeignete Behandlung in einen G0 Zustand versetzt, bei dem das Wachstum zum Erliegen kommt. Daraus wird eine Zelle mit einer zuvor entkernten menschlichen Eizelle (vom selben oder von einem anderen Individuum) verschmolzen. Der aus dem Fusionsprodukt wachsende Präembryo wird aber nicht in eine Gebärmutter übertragen, wie es ber der Dolly-Technik (Nr. 2 in Fig. 5) vorgesehen wäre, sondern soweit in vitro herangereift, bis er das Stadium einer Blastocyste (Fig. 6) erreicht. Dann würden daraus Pluriblasten ("Innere Zellmasse") entnommen und auf Mäuse-Fibroblasten in Kultur gebracht, wie es Thomson et al. durchführte (Fig.7). Durch geeignete Weiterbehandlung, deren technische Details heute noch weitgehend unbekannt sind, könnten daraus verschiedene differenzierte Gewebekulturen in vitro gewonnen werden, die in der Lage wären, sich in vivo im Organismus des ursprünglichen Zellspenders weiterzuentwickeln und im Sinn eines Gewebe- oder Organersatzes zu funktionieren. Der Vorteil wäre, dass diese Transplantate immunologisch zum "Selbst" gehören, also keine Abstossungsreaktionen auslösen. Die Technik beruht aber darauf, einen menschlichen Embryo allein zum Zweck der Zellkultur anzulegen und ihn vor der Nidation (Einnistung in die Gebärmutter) zu zerstören. Dieser Embryo wäre ein "Klon" des Zellspenders, allerdings einer, der nicht zur Fortpflanzung des Zellspenders vorgesehen ist; es handelt sich um Klonen (T), bei dem ein "nichtreproduktiver" Klon erzeugt wird. Daraus ergeben sich selbstredend brisante ethische Fragen, auf die ich weiter unten eingehen möchte. Im Prinzip könnte das auch mit menschlichen Kernen gemacht werden, die in tierische Eizellen eingeführt werden, z.B. in Eizellen einer Maus. In diesem Fall wäre es fraglich, ob diese Chimäre als menschlicher Embryo gelten müsste, nur deshalb, weil er menschliche Kerne enthält. Diese Idee wurde von Davor Solter, Direktor des Max Planck Instituts für Immunologie in Freiburg i. Br. zum Ausdruck gebracht (9). Man könnte mit dieser Idee die Hoffnung verbinden, die knappe Verfügbarkeit von Embryos und die Gesetzwidrigkeit von Experimenten mit menschlichen Embryoen zu überwinden. Der chimärische Embryo könnte vielleicht aus der rechtlichen Kategorie "menschlicher Embryo" ausgeschlossen werden mit der Begründung, dass der chimärische Embryo nicht fähig wäre, sich zu einem menschliches Wesen zu entwickeln, weil das cytoplasmatische Umfeld nicht dem Genom entspricht und daher auf der Tastatur der DNA sozusagen nicht die richtigen Melodien spielen kann.

Auf jeden Fall sehen wir hier eine zweite Kategorie von biomedinischen Möglichkeiten des Klonens neben denen der Reproduktion. Sicher ist es dieses Feld der nichtreproduktiven Klonierung, wo die grössten Interessen der pharmazeutischen Industrie liegen, und wo daher die schnellsten Entwicklungen erwartet werden müssen.

Embryonale Stammzellen zu züchten ist eine Technologie, in der menschliche oder chimärische Embryos verwendet werden, welche nicht zu einem Kind auswachsen sollen. Ich schlage für sie die ein wenig paradoxe Benennung "nichtreproduktive Embryos" vor. Ich denke das Paradoxe an diesem Wort drückt auch die moralische Ambivalenz einer solchen technischen Idee aus.

Wir können uns folgende Situationen vorstellen: Embryonale Stammzellen können gezüchtet werden

  • aus einem natürlichen Embryo nach In vitro-Fertilisation
  • nach einer Embryo-Teilung
  • nach einem Kerntransfer in eine menschliche Eizelle
  • nach einem Kerntransfer in eine tierische Eizelle
  • im Zusammenhang mit Gentherapie

Der letzte Punkt ist vielleicht von ganz besonderer Bedeutung, denn mit der Klonierungstechnologie eröffnen sich sowohl für die somatische als auch für die Keimbahn-Gentherapie neuartige Möglichkeiten. Bisher stand als entscheidendes Hindernis vor der Keimbahn-Gentherapie die Unmöglichkeit, ein präzises Stück DNA aus den Chromosomen einer Zygote gezielt und nebenwirkungsfrei auszutauschen (homologe Rekombination). Nun kann die gentechnische Veränderung aber auf dem Niveau einer Kultur von Körperzellen erfolgen. Diese können jetzt "at random" gentechnologisch verändert und anschliessend ohne ethische Bedenken selektioniert werden auf eine Zelle hin, bei der sich der Vektor (Plasmid oder Virus) mit dem therapeutischen Gen an der gewünschten Stelle und nur dort ins Genom eingebaut hat. Wenn diese Zelle gefunden ist, kann sie mit einer entkernten Eizelle verschmolzen und in eine Gebärmutter übertragen werden. Ergebnis wäre dann ein in erwünschter Weise in allen Zellen, auch denjenigen der Keimbahn, transgenes menschliches Individuum.

Für die somatische Gentherapie ergibt sich die Möglichkeit, auf dem Weg von Klonen (T) aus embryonalen Stammzellen, die aus einem (wie oben hergestellten) rekombinanten Embryo gewonnen wurden, transgene Gewebe oder Organteile zu gewinnen, die für die damit transplantierten Personen einen therapeutischen Nutzen bringen.

Die medizinische Nützlichkeit dieser wachsenden biomedizinischen Technologiefamilie ist offensichtlich. Ich zitiere aus dem Artikel von James Thomson et al.:

"The standardized production of large, purified populations of euploid human cells such as cardiomyocytes and neurons will provide a potentially limitless source of cells for drug discovery and transplantation therapies. Many diseases, such as Parkinson's disease and juvenile-onset diabetes mellitus, result from the death or dysfunction of just one or a few cell types. The replacement of those cells could offer lifelong treatment. Strategies to prevent immune rejection of the transplanted cells need to be developed but could include banking ES cells with defined major histocompatibility complex backgrounds or genetically manipulating ES cells to reduce or actively combat immune rejection." (10)

Aus diesen Gründen erwarte ich, dass diese Entwicklung zu einem neuen Hauptgebiet der Medizin führen wird. Die medizinische und gesellschaftliche Bedeutung von Klonen (T) ist möglicherweise weitaus höher als diejenige von Klonen (R).

3. Einige rechtliche Aspekte

Das deutsche Embryonenschutzgesetz enthält in § 6 ein eindeutiges Verbot des reproduktiven Klonens und der Herstellung nichtreproduktiver menschlicher Embryonen, könnte aber eine Lücke offen lassen für chimärische Embryonen, gezüchtet aus einer menschlichen Zelle in einer tierischen Eizelle, solange die Embryonen das Blastocystenstadium nicht überleben (ich nenne sie "Kerntransferchimären").(11) Die zentrale Passage lautet folgendermassen:

"(1) Wer künstlich bewirkt, dass ein menschlicher Embryo mit der gleichen Erbinformation wie ein anderer Embryo, ein Fötus, ein Mensch oder ein Verstorbener entsteht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer einen in Absatz 1 bezeichneten Embryo auf eine Frau überträgt.
(3) Der Versuch ist strafbar."

Ähnliche Formulierungen finden sich in Art. 36 des neuen Schweizerischen Fortpflanzungsmedizingesetzes:

1 Wer einen Klon, eine Chimäre oder eine Hybride bildet, wird mit Gefängnis bestraft.
2 Ebenso wird bestraft, wer eine Chimäre oder eine Hybride auf eine Frau oder auf ein Tier überträgt.

Zu den umstrittenen Fragen werden gehören, (1) ob ein nichtreproduktiver Embryo ein "Klon" ist, und (2) ob ein Verschmelzungsprodukt aus einer menschlichen Körperzelle und einer tierischen Eizelle, der nicht weiter als zum Blastocystenstadium wachsen soll, im juristischen Sinn eine "Chimäre" sein soll.

Zu (1): Art. 36 des Fortpflanzungsmedizingesetzes kann mit "Klon" nicht all das meinen, was man sprachlich als Klon bezeichnen kann, z.B. möchte dieses Gesetz die Herstellung eines "Klons" von E. coli Bakterien nicht untersagen. Der juristische "Klon"-Begriff muss also enger sein als der umgangssprachliche. Möglicherweise hat der Gesetzgeber überhaupt nur die Herstellung reproduktiver, menschlicher Klone im Auge gehabt, als er das Gesetz schrieb.

Zu (2): Das Chimärenverbot richtet sich möglicherweise – gemäss der rekonstruierbaren Absicht des Gesetzgebers – eindeutig gegen die Herstellung von lebensfähigen Mischorganismen zwischen menschlichen und tierischen Teilen und nicht gegen die Herstellung von "gemischten" Blastocysten, die in Zellkulturen aufgelöst werden. Und: Ist eine tierische Eizelle mit menschlichem Zellkern überhaupt eine Chimäre? Art. 2, Abs. n des Fortpflanzungsmedizingesetzes definiert die Chimärenbildung nämlich so: "die Vereinigung totipotenter Zellen aus zwei oder mehreren genetisch unterschiedlichen Embryonen zu einem Zellverband." –Diese Chimärendefinition wird von der tierischen Eizelle mit menschlichem Zellkern jedenfalls nicht erfüllt.(12)

Der Europarat schlägt in einem Zusatzprotokoll zum Übereinkommen über Menschenrechte und Biomedizin ("Bioethikkonvention") ein Verbot des reproduktiven Klonens vor.

Artikel 1 lautet:

  1. Est interdite toute intervention ayant pour but de créer un être humain génétiquement identique à un autre être humain vivant ou mort.
  2. Au sens du présent article, l'expression être humain "génétiquement identique" à un autre être humain signifie un être humain ayant en commun avec un autre l'ensemble des gènes nucléaires.

Diese Formel – sie befindet sich gegenwärtig im Prozess der Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten – schliesst die Klonierung (R) von Menschen aus, zumindest sofern es sich um genetisch unveränderte menschliche Wesen handelt. Embryosplitting und Kerntransfer führen zu einem genetisch identischen menschlichen Wesen im Sinn des Zusatzprotokolls, weil die nuklearen Gene gleich sind.

Allerdings ist die Formulierung zumindest missverständlich, sobald es sich (1) um genetisch veränderte menschliche Wesen und (2) um Klonieren (T) handelt.

Zu (1): Nach Artikel 13 des "Übereinkommens", zu dem das Zusatzprotokoll einen Annex bildet, schliesst Keimbahnveränderungen nur dann aus, wenn sie darauf abzielen, eine Veränderung des Genoms von Nachkommen herbeizuführen. Die Herstellung von klonierten Embryonen, die sowohl transgen als auch nichtreproduktiv sind, wäre demnach erlaubt, weil das erzeugte menschliche Wesen mit dem Kernspender-Individuum genetisch nicht identisch ist. Es ist sogar formell möglich, die Herstellung transgener Klone (R) von Menschen für zugelassen zu halten. Artikel 13 des "Übereinkommens" würde nur ausschliessen, dass sich diese Klone fortpflanzen dürfen. Sterile transgene Klone von Menschen wären demnach erlaubt. Oder transgene Klone mit Fortpflanzungsverbot? – Diese Konsequenz war von den Autoren des Zusatzprotokolls gewiss nicht beabsichtigt.

Zu (2): Der Kommentar zum Zusatzprotokoll sagt, dass "le clonage de cellules indifférenciés d'origine embryonnaire" akzeptabel sei und nicht ausgeschlossen werde. Dies scheint mir aber nur soweit nachvollziehbar zu sein, als es sich auf die Klonierung von Zellen aus nichtgeklonten Embryonen handelt, also um die unveränderte Thomson-Techik (Fig. 7). Wenn es sich aber um die Klonierung bereits des Embryos selbst handelt, aus dem die Stammzellen angelegt werden, wäre die Technik formell ausgeschlossen. Denn die Erzeugung eines Embryos durch Kerntransfer in eine Eizelle ist "créer un être humain génétiquement identique à un autre être vivant ou mort". Diese Ungleichbehandlung zweier verschiedener Bereiche der embryonalen Stammzell-Technik ist aber schwer einsehbar. Denn die grundlegende ethische Problematik besteht in der verbrauchenden Benützung eines menschlichen Embryos als Quelle von totipotenten Zellen. Diese Problematik ist aber sowohl im Fall eines geklonten Embryos wie auch im Fall eines nichtgeklonten Embryos in gleicher Weise gegeben. – Der Text des Zusatzprotokolls ist entstanden unter dem Eindruck des Dolly-Experimentes; er berücksichtigt offenbar die mit der Kombination von Kerntransfer und Thomson-Technik neu ins Blickfeld gekommenen technischen Optionen nicht. Der Text ist so gewisserweise bereits von der Technikentwicklung überholt worden, bevor er ratifiziert werden konnte.

4. Ethik

Wenn man von Ethik spricht, dann ist der erste Punkt: Welche Frage ist die Schlüsselfrage für die Ethik? Da ich als Ethiker auch an methodischen Problemen arbeite, bin ich oft unzufrieden, wenn es in Diskussionen über biomedizinische Probleme sehr schnell klar scheint, dass es die Schlüsselfrage für die Ethik sei, ob ein besonderes Verfahren erlaubt oder verboten werden soll. Die meiste ethische Literatur über das Klonen, so weit es sie schon gibt, beschäftigt sich mit der Frage der moralischen Akzeptabilität dieser Richtung neuer technologischer Möglichkeiten. Für mich ist diese Auswahl der richtigen Frage nicht so eindeutig. Sicher ist die Frage nach der Akzeptabilität wichtig, und die Frage, ob Staaten oder sogar Staatengemeinschaften wie der Europarat einige Arten von Klonen verbieten sollen und welche, ist dringend. Die Ethik sollte an dieser gesetzgebenden Diskussion teilnehmen.

Aber wie können wir diese Frage der Akeptabilität und der ethischen Grenzen des Erlaubten in einer ethischen Perspektive angehen? Das Problem ist meiner Meinung nach, dass die Schlussfolgerung mit dem Beginn eines ethischen Evaluationsprozesses verwechselt wird. Eine Schlussfolgerung kann gezogen werden, wenn es klar ist, welche die entscheidenden Gründe sind, die die moralische Stuktur von Sachverhalten und Situationen bestimmen. Damit wir die möglicherweise relevanten Gründe erkennen können, müssen wir ein genaues Verständnis der Komplexität von praktischen Situationen bekommen, worin Klonierungstechniken zur Wahl stehen und wie diese Wahl die weitere Entwicklung der Situationen bestimmen würde. Um die Situationen moralisch zu verstehen, sollten wir zuerst wissen wer von was und wie betroffen ist. In anderen Worten, wir müssen zuerst fragen: Was steht auf dem Spiel? Dies ist für mich eine bessere Frage für den Beginn einer ethischen Auseinandersetzung.

Wenn wir fragen, was auf dem Spiel steht, erhalten wir ein differenziertes und durchaus ambivalentes Bild der verschiedenen Klonierungsideen. Betrachten wir zunächst das nichtreproduktive Klonen (T). Diese Techniken haben das Ziel, Krankheiten und Missfunktionen zu heilen; sie sollen die organische Integrität einer leidenden Person wiederherstellen, genau wie andere medizinischen Techniken. Das Besondere ist hier, dass diese Wiederherstellung mit der Verletzung der organischen Integrität eines anderen Mitgliedes der menschlichen Art verbunden ist: eines Embryos im Stadium einer Blastocyste, in dem der Entwicklungsprozess gerade erst begonnen hat. Das nichtreproduktive Klonen benützt das junge Leben eines Embryos unserer eigenen Art, eines Embryos, den wir auch weiter entwickeln lassen könnten, jedenfalls dann, wenn der Embryo kein Fusionsprodukt einer menschlichen Körperzelle mit einer tierischen Eizelle ist. Wir würden das Leben der Zellen dieses Embryos zwar nicht zerstören (zumindest nicht das Leben aller Zellen), obwohl das Leben des Embryos als Organismus zerstört wird, sondern es gleichsam in eine neue Bahn lenken, indem wir es in den Umweg einer Zellkultur zwingen. Einige seiner Zellen könnten sehr lange weiterleben, aber ihr Leben würde in einem fremden organischen Umfeld stattfinden: als implantiertes Gewebe, welches eine Funktion im Körper des Patienten erfüllt.

Ich sehe hauptsächlich drei Punkte, die es zu bedenken gilt: 1. Es gibt etwas, das man die "Würde" eines menschlichen Embryos nennen kann. Mit diesem Wort kann man versuchen auszudrücken, dass wir in unserer Beziehung zum ungeborenen menschlichen Leben einen Embryo nicht nur als eine organische Einheit wahrnehmen, die gewisse Strukturen und Funktionen aufweist. Wenigstens einige von uns sind bereit anzunehmen, dass es in einem Embryo mehr gibt als nur Zellen und Funktionen. Es ist sehr schwierig, den richtigen Namen für dieses "mehr" zu finden. Aus meiner Sicht ist ein Embryo keine "Person" mit einem Anspruch auf gleiche moralische Rechte, wie sie geborene Kinder und Erwachsene haben. Er ist auch nicht einfach ein "leidensfähiges" Wesen. Die Idee vom Leiden oder von der Fähigkeit zu leiden ist zu sehr ein Wort unserer eigenen Erfahrungswelt des bewussten Daseins. Vielleicht könnten wir es mit dem alten Begriff der "Seele" versuchen, indem wir aber sogleich anfügen, dass das Bild der Seele nicht präformationistisch gedacht werden muss, sondern vereinbar ist mit der Idee von der Entwicklung aus einem relativ einfachen Organismus, wie es die befruchtete Eizelle ist. Aus meiner Sicht entwickelt sich eine Seele als die "andere", "innere" Dimension der organischen Entwicklung.(13) Und das bedeutet, dass eine einfache Seele immer schon von Anfang an da sein kann. Der sich entwickelnde menschliche Organismus ist nicht eine mechanische Einrichtung, in der plötzlich in einem bestimmten Stadium das Licht angeknipst wird.

Aber dieser Gedanke ist rein spekulativ. Nichts desto trotz ist es doch ein Hinweis auf den Hauptpunkt, der auf dem Spiele steht beim nichtreproduktiven Klonen (T): Ist die Technik vereinbar mit dem Respekt, den wir einem Embryo schuldig sind? Was für eine Art von moralischem Respekt schulden wir einem Embryo?

2. Im Zusammenhang damit steht ein Punkt, der von Dietmar Mieth vorgebracht worden ist.(14) Falls wir einen Embryo, der sich in ein Kind entwickeln wird, als ein Wesen mit einer eigenen moralischen Würde betrachten, warum vereiteln wir dann seine Lebensmöglichkeit ohne moralische Bedenken in dem Fall, wenn die Ärzte beschlossen haben, dieser Embryo sei als nichtreproduktiver Embryo vorgesehen? Es besteht die Gefahr hier eine Doppelmoral einzuführen. Wie Mieth es ausdrückt, ist es eine "Spaltung des Menschlichen", eine moralische Einteilung der Menschheit in eine Klasse von Embryonen, die Personen werden und als solche geschützt werden, und eine zweite Klasse von Embryonen, deren Existenz darin besteht, Ersatzteile für die Mitglieder der ersten Klasse zu werden. Und die Entscheidung, welcher Embryo ein Mitglied der ersten Klasse und welcher ein Mitglied der zweiten Klasse ist, wird von den erwachsenen Mitgliedern der ersten Klasse getroffen. Das klingt alarmierend, wenn wir es so darstellen. Aber sogar wenn wir für den höheren Wert eines geborenen Patienten stimmen und schliesslich vielleicht sogar für die Akzeptabilität einer Abwägung mit der unumschränkten Bewahrung der Integrität eines frühen Embryos, so sollte dieser Punkt doch sehr ernsthaft in Betracht gezogen werden.

3. Ein dritter Punkt, den es zu bedenken gilt, ist die Veränderung der Bedeutung des menschlichen Körpers, die sich einstellt, wenn die Ersatzteilmedizin sich weiter entwickelt. Genau genommen ist der geheilte Patient nach Transplantationen ein chimärisches Wesen, welches aus einigen noch funktionierenden, "alten" Körperteilen, die sein oder ihr Körper selber gemacht hat, und aus einigen neuen, ersetzten Körperteilen zusammengesetzt ist. Im Prinzip könnten wir versuchen, auch die nächsten Teile, die abgenutzt sein werden, zu ersetzen, wie bei einem historischen Schiff, bei dem am Ende fast alle Teile ersetzt worden sind, Stück für Stück und Schritt für Schritt, aber immer unter Beibehaltung der strukturellen Identität des Ganzen. Unser Körper würde dann immer mehr instrumentalisiert, ein Instrument für das Leben. Die persönliche Identität würde sich dadurch möglicherweise von der körperlichen Identität lösen oder die Entfremdung vom Körper würde grösser: vom Körper als von einer potentiell immer defekten Maschine, welche wir zu reparieren versuchen und Teile von uns selbst ersetzen, so lange wir können. Dieses Köperkonzept ist typisch "modern", weil es die der Moderne inhärente normative Mensch-Natur- Beziehung reproduziert.(15) Die biomedizinische Wissenschaft hat dieses normative Szenarium nicht erst in den letzten Jahrzehnten erfunden. Heute werden vielmehr ernsthafte Gründe vorgebracht, dieses "moderne" Szenarium zu hinterfragen und ernsthafte Diskussionen in der Bioethik sollten sich damit befassen. Das Ersetzbarkeitsdenken gegenüber dem eigenen Körper hat nämlich seinen Preis: es drängt das Faktum in den Hintergrund, dass wir den eigenen Körper nicht haben, sondern eigentlich sind. Der Aspekt des leiblichen Seins, der sich über die Kategorie des Habens grundsätzlich nicht erschliesst, rückt ins Abseits. Damit sind nichtersetzbare Sinnverluste verbunden.

Diese Bedenken, so schwer sie im einzelnen und erst recht gemeinsam wiegen, können m.E. kein absolutes Verbot des Klonen (T) begründen. Ich möchte aber für eine ernsthafte und umsichtige ethische Diskussion in der angebrachten Breite plädieren und für die Etablierung einer begleitenden Erforschung und Diskussion aller damit verbundenen ethischen, psychologischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Fragen, sofern die Biomedizin beschliesst, auf diesem Weg weiterzugehen.

Beim Klonen (R) sehe ich folgende drei hauptsächlichen ethischen Bedenken:

  1. Wie ich zuvor erwähnt habe, kann die DNA in der Zelle und im Organismus nur in einer interaktiven Art und Weise funktionieren. Die Teile der Zelle ausserhalb des Kerns sind für die Entwicklung genau so wichtig wie die Chromosomensequenz. Manche sehen zwar im Gelingen des Klonens (R) einen schlagenden Beweis für die kausale Priorität der DNA, denn diese ist es ja, die in eine entkernte Eizelle eingeführt wird und diese differenzierungsfähig werden lässt. Aber mit anderen Argumenten lässt sich genau die entgegengesetzte Sicht verteidigen: Es ist eben gerade nicht der Zellkern, der sein Entwicklungsprogramm abspult, sondern die Zelle, der Organismus als Ganzer. Sonst könnte es doch nicht möglich sein, dass der Kern aus einer bereits differenzierten Körperzelle nicht nur weitere Differenzierungsschritte ("downstream" im "Programm") hervorbringen kann, sondern die gesamte Entwicklung wiederum von vorne mitmacht. Entscheidend dafür scheint doch gerade die kernlose Eizelle zu sein.
    Aber wir leben immer noch mit dem Glauben, dass DNA die einzige Quelle der Information in der Zelle sei. Die empirisch besser fundierten Auffassungen einer interaktiven Entwicklung von Stukturen in Stufen, die "historisch" aufeinander aufbauen, (16) sind immer noch nicht weit akzeptiert. Kerntransfertechniken beinhalten jedoch ernsthafte und tiefgreifende Eingriffe in die Membran der Eizelle und verändern auch die cytoplasmatischen Bedingungen (Zellfusion). Die Risiken davon könnten leicht unterschätzt werden, sobald man ausschliesslich die DNA betrachtet. Das ist der erste Punkt, der mich bedenklich macht: Die Autoritäten, die entscheiden sollten, wann die Risiken annehmbar niedrig geworden sind, könnten ihr Placet zu früh geben, weil einer systematischen Verzerrung in Richtung DNA vertraut und der kausal co-determinierenden Rolle cytoplasmatischer Strukturen und der komplexen Membranarchitektur zu wegen Rechnung getragen wird.
  2. Was geht in den betroffenen Beziehungen vor sich? Es ist zentral die Beziehung von den Eltern zu ihren Kindern zu beachten. Hier führt der Kerntransfer und das Klonen (R) zu einer Veränderung, welche schon mit der In-vitro- Fertilisation begonnen hat. Die Elternbeziehung würde sich, extrem formuliert, von der Beziehung zum Kind als einem Geschenk zu der Beziehung zum Kind als einem Produkt, welches aus Rohmaterialien hergestellt worden ist, verwandeln. Die genetische Mischung, die im natürlichen Vorgang von Gametogenesis und Befruchtung stattfindet, wird ausgeschlossen. Wir sollten diskutieren, ob die genetische Mischung für die Beziehung ein Symbol des Respekts zum Kind als einer radikal neuen und einzigartigen Verkörperung des Menschseins ist. Das Kind – sogar im Fall von identischen Zwillingen – ist ein Prinzip, oder, mit einem alten griechischen Ausdruck, eine archè für sich selber. Das Klonen würde den ontologischen Ursprung hingegen in die Hände und die Körper der Eltern legen. Es gibt aus der Sicht des Kindes oder der Eltern nichts Unerklärliches, Zu-fallendes mehr im genetischen Ursprung. Das geklonte Kind könnte, sobald es von seinem Entstehen erfährt, damit Probleme bekommen, es könnte auch zu einer Last für die Beziehung zu den Eltern werden.
  3. Betrachten wie die Beziehung zu Dritten: die Beziehung der Gesellschaft zu den geklonten Individuen oder die Beziehung von Kameraden und Bekannten (Peers) zu den geklonten Individuen. Hier sollten wir an die gegebene diskursive Wirklichkeit des Klonens denken, an all die stark symbolischen Zuschreibungen, die ich zu Beginn erwähnt habe. Der Klon würde anders wahrgenommen als gewöhnliche Menschen. In den Augen der anderen wäre ein geklontes Wesen ein "Cyborg" von seinem Ursprung her.(17) Das wäre möglicherweise ein soziales Stigma für ihn oder sie. Klone wären in der Sicht von Dritten ontologisch keine normalen Menschen, sondern Menschen einer anderen ontologischen Klasse. Ich glaube nicht, dass wir die Tatsache, dass ein bestimmtes Kind ein Klon ist, geheim halten könnten. Das Kind wird aufwachsen und ein moralisches und juristisches Recht haben, die Umstände seiner Erzeugung zu kennen.

Ich denke, dass diese Bedenken zu Klonen (R) von Menschen sehr ernst sind. Sie betreffen das Wohlbefinden der erzeugten Kinder. Die Medizin darf die reproduktive Fähigkeit der Eltern (!) nicht kurieren und ihren "Kinderwunsch" nicht mit Mitteln erfüllen, die zu einem Leiden des Kindes führen, sogar wenn dieses Leiden nicht biologisch herbeigerufen wird, sondern "nur" sozial durch die Wahrnehmung anderer entsteht. Aus diesen Gründen denke ich, dass es ethisch besser sei, wenn wir ganz auf dieses Projekt des reproduktiven Klonens von Menschen verzichten.

Dieser Beitrag steht im Zusammenhang des von der Stiftung Mensch-Gesellschaft-Umwelt (MGU) an der Universität Basel geförderten Forschungsprojektes "Genom und Organismus" (F42/95). Ich danke Eva Neumann- Held für wichtige kritische Anregungen. Frühere Fassungen der hier vorgestellten Argumentation konnten am 25. Oktober 1998 im "Café Philosophes", Basel und am 21. Januar 1999 im Seminar für Medizinethik am Kantonsspital Basel diskutiert werden. Der Text hat von diesen Diskussionen ebenso profitiert wie von denen am Davoser Symposium "Medicine and Ethics" vom 2. bis 5. Februar 1999.

Zusammenfassung:

In der öffentlichen Diskussion wird Klonen meistens repräsentiert durch Metaphern des ‚Kopierens' oder der ‚Vervielfältigung' menschlicher Individuen. Der ethische Anstoss, der das Klonen erregt, wird entsprechend in der Bedrohung der menschlichen Identität und Würde gesehen. Der Beitrag setzt sich mit dieser verbreiteten Wahrnehmung analysierend kritisch auseinander. Es wird sodann eine Systematik von Klonierungstechniken vorgeschlagen: (1) zur Genvervielfältigung, (2) zur Zellkultur, (3) zu Transplantations- und (4) zu Reproduktionszwecken. Die einzelnen Bereiche können so einer differenzierten Würdigung zugeführt werden. Dabei wird die ‚genetische' Identität systematisch von ‚persönlicher' Identität und auch von ‚biologischer' Identität unterschieden. Der rechtliche Teil zeigt, dass sowohl das deutsche Embryonenschutzgesetz als auch das schweizerische Fortpflanzungsmedizingesetz die Herstellung von Kerntransferchimären (zu Transplantationszwecken) nicht ausschliessen. Es werden eine Reihe von ethischen Bedenken gegen die Klonierung im Zusammenhang der Herstellung von embryonalen Stammzellkulturen diskutiert. Die Klonierung zu Reproduktionszwecken schliesslich wird mit Argumenten des Kinderwohls abgelehnt.


(1)

I. Wilmut, A. E. Schnieke, J. McWhir, A. J. Kind & K. H. S. Campbell: "Viable offspring

derived from fetal and adult mammalian cells", Nature 385 (1997): 810-813; cf. Colin Stewart: "An udder way of making lambs", Nature 385 (1997): 769-771.

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(2) Rick Weiss: "FDA Says Human Cloning Needs Its OK", San Francisco Chronicle Jan 20,

1998, p. A3.

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(3) National Bioethical Advisory Commission: "Executive Summary", in: The Hastings Center

Report Sept./Oct. 1997, pp. 7-9. Vgl. die Kommentare von James F. Childress, Susan M. Wolf, Courtney S. Campbell und Daniel Callaham in derselben Nummer des Hastings Center Report.

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(4) Rick Weiss: "Human Clone Ban Opposed by NIH Chief", The Washington Post March 6,

1997, pp. A1/A14.

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(5)

Oxford: Helicon 1995

 

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(6) Von "Genen" ist auch in anderen Kontexten die Rede, etwa in der Populationsgenetik. Hier

sollte man "Gen" am ehesten als einen erblichen Faktor interpretieren, der zu einem phänotypischen Unterschied führt. Vgl. Eva Neumann-Held, "Jenseits des >genetischen Weltbildes<", in: Eva-Marie Engels, T. Junker und Michael Weingarten (Hrg.), Ethik der Biowissenschaften, Berlin VWB 1998, S. 261-280; Griffith, Paul E. and Eva M. Neumann-Held, "The Many Faces of the Gene", BioScience (in press).

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(7) Ich spreche in diesem Beitrag von menschlichen "Embryonen" von der ersten Zellteilung der

Zygote an. Andere Autoren differenzieren zwischen "Präembryonen" und "Embryonen" zum Zeitpunkt der Nidation. Mit beiden Terminologien sind feingliedrige ethische Implikationen verbunden, auf die ich hier nur hinweisen kann.

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(8) James A. Thomson et al., "Embryonic Stem Cell Lines Derived from Human Blastocysts",

Science 282 (1998): 1061-1062; Eliot Marshall, "A Versatile Cell Line Raises Scientific Hopes, Legal Questions", Science 282 (1998): 1014-1015; Eliot Marshall; "Use of Stem Cells Still Legally Murky, But Hearing Offers Hope", Science 282 (1998): 1962-1963.

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(9) Interview mit Davor Solter, geführt von Stefan Stöcklin, in der Basler Zeitung 8./9. August

1998, S. 65

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(10)

Thomson et al., op cit. (FN 7), S. 1146f

 

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(11) § 7, der die "Chimären- und Hybridbildung" verbietet, schliesst, wenn man ihn wortwörtlich

liest, die Herstellung und Verwendung von Kerntransferchimären nicht aus. Es wird zwar verboten, zwischen menschlichen und tierischen Gameten Befruchtungen herbeizuführen. Kerntransfer ist aber nicht erfasst. Vgl. den Text des Embryonenschutzgesetzes im Bundesgesetzblatt 1990, Teil I, S. 2746-2748

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(12)

Eine "Hybride" im Sinn des Fortplanzungsmedizingesetzes ist sie auch nicht, denn

Hybridbildung wird in Art. 2, Abs. o definiert als "das Bewirken des Eindringens einer nichtmenschlichen Samenzelle in eine menschliche Eizelle oder einer menschlichen Samenzelle in eine nichtmenschliche Eizelle".

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(13) Vgl. Christoph Rehmann-Sutter, "Die Seele von Gen-Maschinen", in: Interventionen (1999;

in press); im weiteren Sinn vgl.ders., Leben beschreiben. Über Handlungszusammenhänge in der Biologie, Würzburg: Königshausen & Neumann 1996

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(14) Dietmar Mieth, "Probleme der Ethik in der Biomedizin am Beispiel der Klonierungsdebatte",

in: Johann S. Ach, Gerd Brudermüller, Christa Runtenberg (Hrsg.), Hello Dolly? Über das Klonen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 156-174 (167)

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(15)

Vgl. bes. Zygmunt Bauman, Postmodern Ethics, Oxford/Cambridge: Blackwell 1993

(16) Vgl. Soraya de Chadarevian, "Of Worms and Programmes: Caenorhabditis Elegans and

the Study of Development", Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences 29 (1998): 81-105

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(17) Diesen Begriff prägte Donna Haraway, "A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and
 

Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century", in: dies., Simians, Cyborgs, and Women: The Reinvention of Nature, London: Free Association Books 1991, pp.149-181.

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