Spirituelle Gesundheit am Lebensende - Konflikte zwischen Heilenwollen und Sterbebegleitung

Gerald Neitzke

Medizinische Entscheidungen bei unheilbar kranken und sterbenden Menschen sind schwierig zu treffen. Es herrscht ein Gefühl der Unsicherheit und nicht selten der Uneinigkeit zwischen den betroffenen Patientinnen und Patienten, den Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und Angehörigen. Dieses oft unausgesprochene und intuitive Unwohlsein soll untersucht und differenziert dargestellt werden. Vorrangige Bedeutung bekommt dabei die Analyse der unterschiedlichen Motivationen und Einstellungen aller Beteiligten zur Medizin und zum Leben und Sterben. Ein kommunikations? und entscheidungstheoretisches Modell wird als Werkzeug vorgestellt, mit dem diese Konflikte auch im Stationsalltag aufgezeigt und bearbeitet werden können, um einen Beitrag zur Lösung des Konflikts zu finden. In diesem Modell ist der Begriff der Hoffnung von zentraler Bedeutung. Hoffnung wird als relationaler Begriff identifiziert, da sich Hoffnung immer auf Etwas bezieht. Dieses Worauf der Hoffnung wird näher dargestellt. Die Dimensionen von Hoffnung lassen sich in eine Ordnung bringen. Ein sensibles Gespräch über die individuellen Hoffnungen erbringt neben medizinischen auch spirituelle Aspekte. Dadurch wird das Beachten der Spiritualität und das Anstreben spirituellen Wohlseins Teil der Aufgaben in der Medizin. Ein konkretes Fallbeispiel aus der Onkologie soll den hier angeregten und skizzierten Umgang illustrieren.

Literatur:

Neitzke, G.: Motivation und Identitätsbildung in den medizinischen Professionen.
Konsequenzen für die klinische Praxis. In: von Engelhardt, D.; von Loewenich, V. & Simon, A. (Hrsg.): Die Heilberufe auf der Suche nach ihrer Identität. Lit-Verlag, Münster 2001, in press

Schlaudraff, U.: Aspekte der Therapieverweigerung bei Kindern aus theologisch-anthropologischer Sicht. In: Dierks, C.; Graf-Baumann, T. & Lenard, H.G. (Hrsg): Therapieverweigerung bei Kindern und Jugendlichen. Medizinrechtliche Aspekte. Springer, Berlin 1995, pp 49-63

Schulz von Thun, F.: Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989

 

Dr. med. Gerald Neitzke
Abteilung für Geschichte, Ethik und Theoriebildung in der Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
D-30625 Hannover